22.04.2026 | 11 Bilder 1 Dokument

„GERECHT? Geschichten über soziale Ungleichheiten“ – Ausstellung im Museum Aguntum

Die Ausstellung „GERECHT?“, die bis März 2025 im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck zu sehen war, ist von 1.5. bis 4.10.2026 im Museum Aguntum in Dölsach zu sehen
GERECHT_Aguntum_1_c_EXPA_HansGroder © EXPA/Hans Groder

Kuratorin Lisa Noggler (Tiroler Landesmuseen), Claudia Moser, Interimsgeschäftsführerin Museum Aguntum, Michael Schneeberger, Vorstand Privatstiftung Lienzer Sparkasse, Gerlinde Tamerl-Lugger, Leiterin Kommunikation & Marketing Tiroler Landesmuseen, Kuratorin Jutta Profanter (Tiroler Landesmuseen) und Leo Gomig, Obmann Verein Curatorium pro Agunto (v. li.).

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Museum Aguntum // 1.5. – 4.10.2026

Um mit Blick auf die herannahende Sommersaison neue Anreize für Besucher*innen zu schaffen, präsentiert das Museum Aguntum – das demnächst in die Tiroler Landesmuseen eingegliedert werden soll – unter dem Motto „Tiroler Landesmuseen unterwegs“ die Ausstellung „GERECHT? Geschichten über soziale Ungleichheiten“. Die Ausstellung, die zuvor im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck zu sehen war, widmet sich anhand von 34 Objekten brisanten Fragen nach gleichen Rechten, der Bewältigung von Krisen sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen.

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Um mit Blick auf die herannahende Sommersaison neue Anreize für Besucher*innen zu schaffen, präsentiert das Museum Aguntum – das demnächst in die Tiroler Landesmuseen eingegliedert werden soll – unter dem Motto „Tiroler Landesmuseen unterwegs“ die Ausstellung „GERECHT? Geschichten über soziale Ungleichheiten“. Die Ausstellung, die zuvor im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck zu sehen war, widmet sich anhand von 34 Objekten brisanten Fragen nach gleichen Rechten, der Bewältigung von Krisen sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen. Gezeigt werden ein kostbarer äthiopischer Mantel aus der Villa Freischütz in Meran, ein Selbstbildnis der jüdischen Künstlerin Hilde Goldschmidt, aber auch Alltagsgegenstände, etwa eine Kraxe oder Ofenkacheln. So unterschiedlich diese Objekte in ihrem Nutzen und ihrer Herkunft auch sein mögen, vereinen sie doch ihre eindrucksvollen Geschichten, die dank der Recherchearbeit der Kuratorinnen ans Tageslicht gebracht wurden. Drei Exponate stammen aus Osttirol: das Mädchen von Agunt (Museum Aguntum), das Relief der Ursula Pöck (Schloss Bruck) und das „Franzosenmarterl“ des heimatkundlichen Vereins Medaria aus Matrei.

Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, Umgang mit Krisen, Formen des Widerstands
Die Ausstellung, die am 30. April um 18 Uhr eröffnet wird, entstand als Kooperation zwischen dem Tiroler Volkskunstmuseum und dem Verband Tiroler Museen (tiMus) anlässlich des Euregio-Museumsjahres 2025 „weiter sehen“. Dieses nahm – ausgehend vom Bauernaufstand von 1525 unter der Führung von Michael Gaismair – Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, Formen des Widerstands und dem Umgang mit Krisen in den Blick. Als breit angelegtes Kooperationsprojekt vereint die Ausstellung 34 Museen und Sammlungen aus der Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino, von denen jede Institution ein Objekt beigesteuert hat. Damit wird ein neuer Blick auf historische und zeitgenössische Objekte in der Ausstellung ermöglicht, die von Lisa Noggler und Jutta Profanter (TLM) sowie Christine Weirather und Sandra Marsoun-Kaindl (tiMus) kuratiert wurde. „Die Ausstellung stellt Fragen, die viele Menschen täglich beschäftigen. Die historischen Artefakte und ihre vielschichtigen Geschichten machen nicht nur deutlich, dass Vergangenes bis heute präsent und relevant ist. Die vermittelten Fakten und unterschiedlichen Informationen fordern auf, sich selbst eine Meinung zu bilden“, erklärt der gebürtige Osttiroler und Leiter des Tiroler Volkskunstmuseums Karl C. Berger, in dessen Räumlichkeiten die Ausstellung zuvor gezeigt wurde. 

34 Fragen, 34 Objekte, 34 Geschichten 
Eine Kraxe, eine Wahlurne, eine Schreibmaschine – so alltäglich manche Objekte auch auf den ersten Blick erscheinen, die Geschichten dahinter sind mitunter bewegend und aufrüttelnd: „Bei drei Ofenkacheln aus dem 17. Jh. erkennt man, dass Kinder an der Herstellung mitgewirkt haben. Die Frage zu diesem Objekt lautet ‚Wer stellt deine Dinge her?‘ Kinderarbeit ist trotz UN-Kinderrechtskonvention nach wie vor ein großes Thema: weltweit ist fast jedes zehnte Kind davon betroffen – Tendenz steigend“, nennt Kuratorin Jutta Profanter ein Beispiel. Ein weiteres Beispiel führt Kuratorin Lisa Noggler an: „Eine selbstgeschnitzte Holzspritze verwendete ein junger Mann vor über 100 Jahren, um seiner Freundin einen Schwangerschaftsabbruch zu ermöglichen. Sie überlebte nur schwer verletzt. Die Frage ,Wer bestimmt über deinen Körper?‘ ist bis heute erschreckend aktuell.“ 

Themen von „zeitloser“ Brisanz 
Weitere Themen sind etwa Inklusion, (gerechte) Strafen, soziale Absicherung, Lohngerechtigkeit, Rassismus, Gleichheit vor dem Gesetz oder Fake News. Interaktive Elemente zu den 34 Objektgeschichten ermöglichen dem Publikum, Meinungen und Botschaften zu unterschiedlichen Themen zu teilen und zu diskutieren. Claudia Moser vom Museum Aguntum war bei der Eröffnung vergangenes Jahr im Tiroler Volkskunstmuseum dabei. „Mein erster Gedanke bei der Eröffnung war, dass es eine Bereicherung für Osttirol wäre, die Ausstellung auch bei uns zu zeigen um vermehrt ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen“. Leo Gomig, Obmann des Vereins Curatorium pro Agunto, ist überzeugt „dass die Ausstellung eine Besonderheit ist, die in dieser Größenordnung nur dank der Unterstützung der Tiroler Landesmuseen in Aguntum gezeigt werden kann“. Andreas Rudigier, Direktor der Tiroler Landesmuseen, begrüßt die Kooperation: „Grundlegende Fragen nach Gerechtigkeit sind kein Phänomen der Gegenwart – es gibt sie seit Menschengedenken, zweifellos auch schon im antiken Aguntum. Während sich viele dieser Fragen heute zum Glück erübrigt haben, sind andere seit Jahrtausenden erstaunlich ähnlich geblieben. Die besondere Stärke dieser Ausstellung liegt darin, keine fertigen Antworten zu liefern, sondern den Raum für die Fragen der Besuchenden zu öffnen.“

Das Thema spiegelt sich auch in der Ausstellungsarchitektur wider – rund 30 große Holzblöcke liegen aufeinander, nebeneinander, lehnen sich aneinander an und stützen sich gegenseitig: „Es sind Kuben, die teils auch aus dem Gleichgewicht geraten sind. Die Ausstellungsgestaltung der Südtiroler Architektin Carol Kofler und Innsbrucker Grafikerin Irene Massimo greift die Balance auf, die es braucht, um im Gleichgewicht zu sein“, erklärt Kuratorin Lisa Noggler.

Finanziert wird die Ausstellung von der Kulturabteilung des Landes Tirol, den Tiroler Landesmuseen und der Privatstiftung Lienzer Sparkasse. „Für die Privatstiftung Lienzer Sparkasse ist die Förderung der Entwicklung und Fähigkeiten der Menschen bereits im Gründungszweck festgeschrieben. Damit ist der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und ein faires Miteinander verbunden“, meint Martin Bergerweiß vom Vorstand der Stiftung. 

Publikation zur Ausstellung 
Zur Ausstellung „GERECHT? Geschichten über soziale Ungleichheiten“ ist eine zweisprachige (ital./dt.) Publikation mit dem Titel „GERECHT? inGIUSTO!“ bzw. „inGIUSTO! GERECHT?“ erschienen. Mit Beiträgen von Sandra Marsoun-Kaindl, Lisa Noggler, Jutta Profanter, Christine Weirather und Katharina Walter. Erhältlich ist die Publikation zum Preis von 14 € im Museumsshop.



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