Im Rahmen der Reihe „Ferdiandeum unterwegs“ zeigt die Ausstellung im Museum im Noaflaus in Telfs eine Auswahl kostbarer Schmuckstücke der Archäologischen Sammlung der Tiroler Landesmuseen.
Museum im Noaflhaus, Telfs // 22.10.2026 – 30.6.2027
Römischer Schmuck fasziniert durch seine Vielfalt und zeitlose Schönheit. Ob Gold, Silber, Bronze, Kupfer, Eisen, Bein, Glas oder Bernstein – die Archäologische Sammlung der Tiroler Landesmuseen bewahrt einen reichen Bestand an Schmuckstücken aus dem historischen Tirol, der heutigen Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Die Ausstellung „Zeitlos schön“ lädt dazu ein, diese kostbaren Zeugnisse aus 500 Jahren römischer Geschichte neu zu entdecken. Die Schmuckstücke, von Fibeln über Ringe und Armreife bis hin zu Halsketten, erzählen von Mode und Tracht, von sozialem Rang und kultureller Zugehörigkeit. In zwölf „Schatzkästchen“ werden die einzelnen Schmuckkategorien und deren Fundkontexte aus Siedlungen, Kultstätten, Gräbern und Depots aufbereitet. Die Ausstellung findet im Rahmen der Reihe „Ferdinandeum unterwegs“ statt.
Die Archäologische Sammlung der Tiroler Landesmuseen besteht aus über hunderttausenden Objekten aus dem historischen Tirol. „Schon mit der Gründung des Museums Ferdinandeum entstand eine archäologische Sammlung mit der Aufgabe, die älteste Geschichte des Landes zu erforschen“, erzählt Andreas Picker, Leiter der Archäologischen Sammlung der Tiroler Landesmuseen. Neben Gefäßen, Urnen, Steindenkmälern, Werkzeugen und Alltagsgegenständen finden sich auch zahlreiche Schmuckstücke aus Nord-, Süd- und Osttirol sowie dem Trentino in der Sammlung. „Schmuck kann Ausdruck kultureller Zugehörigkeit sowie ein Zeichen von Prestige, Reichtum und Macht sein. Auch weisen Schmuckstücke auf den sozialen Rang hin. Zugleich kann Schmuck auch Hinweise auf Alter oder Geschlecht liefern und zeugt von künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten“, erklärt Kurator Anton Höck, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Archäologischen Sammlung.
Zeitlos schön: Jahrtausendealte Schmuckstücke
Eine besondere Auswahl dieser bedeutenden Sammlung antiker Schmuckstücke ist nun von 22. Oktober 2026 bis 30. Juni 2027 in der Ausstellung „Zeitlos schön“ im Museum im Noaflhaus in Telfs zu sehen. Gezeigt werden Halsketten, Ohrringe, Armreife, Fibeln, Ringe und Haarnadeln sowie Spiegel, Kämme oder Schminktiegel – einige aus wertvollen Materialien wie Gold, Silber, Bronze oder Bernstein, aber auch aus Eisen, Bein, Glas und Kupfer. Besonders herausragend ist das Schmuckgehänge aus einem Grabfund in Mühlbachl bei Matrei am Brenner, bestehend aus einer Halskette mit Anhängern aus Bronze aus dem frühen 1. Jh. n. Chr. Die Trägerin war vermutlich eine einheimische Frau, gefunden wurde das Ensemble zufällig beim Bau einer Garage.
Neben Halsketten waren auch Armreife und Ringe sehr populär und beliebt. Ob der Schmuck als reine Dekoration getragen wurde oder auch eine symbolische Bedeutung hatte, lässt sich heute oft nicht mehr erschließen. Eine wichtige Informationsquelle zum Schmuck sind Bestattungen mit Schmuckbeigaben. Die Römer gaben ihren Toten Grabbeigaben mit, weil sie fest an ein Leben nach dem Tod glaubten und den Verstorbenen den Übergang in die Unterwelt (das Totenreich) erleichtern wollten. Die Beigaben erfüllten dabei vor allem religiöse, rituelle und soziale Zwecke. Bedeutend ist zum Beispiel auch ein Grabfund an der Meilstraße in Zirl: sogar einem etwa neun Monate alten Kind wurde eine Halskette aus sieben Glasperlen als Grabbeigabe mitgegeben. Unter den Schmuckfunden machen Fibeln, metallene Gewandnadeln, den größten Anteil aus. Sie wurden täglich gebraucht, etwa um Kleider oder Mäntel auf der Schulter zusammenzuhalten, und gingen leicht verloren – daher werden sie bei Ausgrabungen sehr häufig gefunden.
Bedeutende Fundorte
Die Gräberfelder von Innsbruck-Wilten/Veldidena und Salurn in Südtirol haben große Mengen an Schmuck ans Tageslicht gebracht, wie zum Beispiel Silberketten mit halbmondförmigen Lunula-Anhängern, denen eine unheilabwehrende Wirkung zugeschrieben wurde. Weitere Schmuckbeigaben wurden beispielweise in einem Brandgrab an der Via Claudia Augusta in Neumarkt/Endidae in Südtirol gefunden, in einem Körpergrab in Absam sowie an den Brandopferplätzen bei Mechel/Cles im Trentino oder der „Himmelreich-Terrasse“ bei Volders.
Von Brandgräbern, Körpergräbern und Schmuckbeigaben
In Brandgräbern finden sich Schmuckbeigaben neben und um die Urne, in Körpergräbern hingegen lässt sich die Trageweise von Schmuck anhand der Lage im Grab meist rekonstruieren. So ist erkennbar, dass Männer Siegelringe häufig am linken Ringfinger trugen, während Frauen vielfach mehrere Ringe trugen. Besonders beliebt waren Schlangenfingerringe, die aus einem mehrfach um den Finger gewundenen Schlangenkörper bestehen – auch ihnen wurde das Abwehren von Unheil zugeschrieben. Ein besonderer Fund wurde in einem Körpergrab in Innsbruck-Wilten/Veldidena gemacht: Der Verstorbene trug eine verzierte Gürtelgarnitur, seinen Mantel hielt eine feuervergoldete Fibel zusammen, auf dem Bügel hat sich sogar ein Lederrest erhalten – die Beigaben lassen auf einen hochrangigen Angehörigen des römischen Militärs schließen.
„Zeitlos schön“ im Museum im Noaflhaus in Telfs
„Wir freuen uns sehr, dass wir die Ausstellung ,Zeitlos schön‘ im Museum im Noaflhaus präsentieren können“, betont Christine Gamper, Leiterin der Kulturabteilung der Marktgemeinde Telfs. Das Noaflhaus vereint neben Räumlichkeiten für Sonderausstellungen das Fasnachtsmuseum und das Heimatmuseum unter einem Dach: „Im Heimatmuseum sind neben Krippen, sakralen Objekten und Arbeits- und Handwerksgeräten aus früheren Zeiten auch archäologische Artefakte der frühen Besiedlung des Telfer Talbeckens zu bestaunen. Die wunderbaren römischen Schmuckstücke aus allen Teilen des historischen Tirol bilden somit eine harmonische Erweiterung des Ausstellungsangebots im Museum im Noaflhaus“, ergänzt Gamper. Der Tiroler Archäologe und Zeichner Harald Kreinz hat zudem originelle und anschauliche Zeichnungen von Römerinnen und Römern für die Ausstellung geschaffen, die verdeutlichen, wie die Schmuckstücke und Trachtbestandteile getragen wurden. Im Eingangsbereich, dem Appetizermuseum, das auch außerhalb der Museumszeiten zu besichtigen ist, werden als Ergänzung zur Ausstellung noch Fakten zu den Römern sowie zur Archäologie in Telfs allgemein veranschaulicht.
„Zeitlos schön“ findet im Rahmen des Formats „Ferdinandeum unterwegs“ statt: Umbaubedingt präsentieren sich aktuell die vielseitigen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen in Kooperation mit verschiedenen regionalen Museen und Galerien an externen Orten – wie hier im Museum im Noaflhaus in Telfs.
RAHMENPROGRAMM:
Kuratorenführung mit Anton Höck
Donnerstag 26.11.2026 / 25.2.2027 / 27.5.2027 jeweils um 170 Uhr
„Was macht eine archäologische Restauratorin – über Restaurieren und Herstellen von Schmuck“ mit Rebecca Sandbichler
Donnerstag 21.1.2027, 18 Uhr
Beauty Workshops für Erwachsene – Schminke und Salben nach Römerinnenart
Donnerstag 14.01.2027 / 11.03.2027 jeweils um 18 Uhr
Kinder Workshops – Schmuck selber herstellen
Montag 15.2.2027 und Donnerstag 15.4.2027, jeweils um 15 Uhr
Abschlussveranstaltung am Mittwoch, 30.6.2027 um 19 Uhr
Wir beenden die Ausstellung „Zeitlos schön“ im Noaflhaus mit einer noch geheimen Veranstaltung – lasst euch überraschen ganz im Sinne von „More Romanorum“.
Alle Informationen zur Ausstellung finden Sie auf unserer Website unter www.tiroler-landesmuseen.at/ausstellung/zeitlos-schoen/ und unter www.telfs.at/Ausstellung_-_zeitlos_schoen_7