23.02.2026 | 8 Bilder

Wiltener „Leuthaus“ von Egon Schiele: Verein des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum ersteigert Zeichnung

Zu dieser Meldung gibt es:

Kurztext 1473 ZeichenPressetext als .txt

Mit dem Ankauf einer bedeutenden Zeichnung von Egon Schiele (1890–1918) aus dem Jahr 1917 gelingt dem Verein des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum eine wertvolle Ergänzung seiner Grafischen Sammlung. Das Blatt entstand während Schieles Aufenthalt in Tirol im Juni 1917 und zeigt das sogenannte „Leuthaus“ im Innsbrucker Stadtteil Wilten. Die neu erworbene Zeichnung kann im Rahmen eines Vortrags über Egon Schiele am 26. Februar um 18 Uhr im Tiroler Volkskunstmuseum besichtigt werden.

Egon Schiele in Tirol
„Egon Schieles Aufenthalte in Tirol sind im regionalen Gedächtnis weitgehend vergessen, da keines der hier entstandenen Werke im Land verblieben ist“, so Lukas Madersbacher, Kunsthistoriker der Universität Innsbruck und stv. Obmann des Vereins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Es ist aber gut dokumentiert, so Madersbacher, dass Schiele mehrmals von Wien nach Tirol reiste. Erstmals besuchte er im Rahmen eines Sommerurlaubs 1907 das Hotel Post in Steinach am Brenner. Er folgte der Einladung seines „reichen Onkels“ und Vormundes Leopold Czihaczek. Zu diesem Zeitpunkt hatte der junge Künstler gerade sein Studium an der Wiener Akademie begonnen. Als Egon Schiele zehn Jahre später – im Juni 1917 – erneut nach Tirol zurückkehrte, war er bereits ein gefeierter Künstler. Der Verein ergriff im Rahmen einer Auktion die einmalige Gelegenheit, die Zeichnung vom Wiltener „Leuthaus“ von 1917 zu ersteigern, die ursprünglich aus dem Nachlass des Künstlers stammt.

Pressetext Pressetext als .txt

Mit dem Ankauf einer bedeutenden Zeichnung von Egon Schiele (1890–1918) aus dem Jahr 1917 gelingt dem Verein des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum eine wertvolle Ergänzung seiner Grafischen Sammlung. Das Blatt entstand während Schieles Aufenthalt in Tirol im Juni 1917 und zeigt das sogenannte „Leuthaus“ im Innsbrucker Stadtteil Wilten. Die neu erworbene Zeichnung kann im Rahmen eines Vortrags über Egon Schiele am 26. Februar um 18 Uhr im Tiroler Volkskunstmuseum besichtigt werden.

Egon Schiele in Tirol
„Egon Schieles Aufenthalte in Tirol sind im regionalen Gedächtnis weitgehend vergessen, da keines der hier entstandenen Werke im Land verblieben ist“, so Lukas Madersbacher, Kunsthistoriker der Universität Innsbruck und stv. Obmann des Vereins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Es ist aber gut dokumentiert, so Madersbacher, dass Schiele mehrmals von Wien nach Tirol reiste. Erstmals besuchte er im Rahmen eines Sommerurlaubs 1907 das Hotel Post in Steinach am Brenner. Er folgte der Einladung seines „reichen Onkels“ und Vormundes Leopold Czihaczek. Zu diesem Zeitpunkt hatte der junge Künstler gerade sein Studium an der Wiener Akademie begonnen. Als Egon Schiele zehn Jahre später – im Juni 1917 – erneut nach Tirol zurückkehrte, war er bereits ein gefeierter Künstler. Der Verein ergriff im Rahmen einer Auktion die einmalige Gelegenheit, die Zeichnung vom Wiltener „Leuthaus“ von 1917 zu ersteigern, die ursprünglich aus dem Nachlass des Künstlers stammt.

Sommerfrische während des Ersten Weltkriegs
Egon Schiele fühlte sich offenbar wohl in Tirol. Ein Foto dokumentiert einen weiteren Urlaub im Stubaital im August 1917 gemeinsam mit seiner Frau Edith. Das Foto, das sich heute im Besitz des Leopold Museums in Wien befindet, zeigt das Paar vor der Pfarrkirche von Fulpmes, die Schiele schon als Siebzehnjähriger in einem seiner ersten Ölgemälde festgehalten hatte. Schiele war außerdem im Ersten Weltkrieg (1914–1918) beim Militärdienst, der so genannten „k. k. Konsumanstalt für die Gagisten der Armee im Felde“ zugeteilt und bereiste auch deshalb Tirol, um deren Niederlassungen zeichnerisch zu dokumentieren. Neben offiziellen Aufträgen entstanden während dieser Zeit auch zahlreiche Architekturstudien sowie Ansichten von Innsbruck und dem Stubaital.

Zeichnung als „Fenster zu künstlerisch produktiven Wochen“ in Tirol
„Mit dem Erwerb der Zeichnung öffnen die Sammlungen des Vereins nun ein Fenster auf Egon Schieles künstlerisch produktive Wochen in Tirol“, so Lukas Madersbacher, der auf die bedeutende Zeichnung aufmerksam wurde und diese im Auftrag des Museumsvereins schließlich ersteigerte. Sehr erfreut zeigt sich auch Direktor Andreas Rudigier über den Neuzugang: „Der Museumsverein sammelt schon seit der Gründung des Museums 1823 Kunst- und Kulturgüter. Es freut mich, dass dieses Anliegen auch weiterhin verfolgt wird. Unsere Grafische Sammlung wurde damit durch ein herausragendes Werk mit Tirolbezug bereichert.“ Ralf Bormann, Leiter der Grafischen Sammlung, betont ebenso die Bedeutung des Ankaufs: „Diese kostbare Arbeit ist für die Grafische Sammlung ein großer Gewinn. Mit jedem Zuwachs erfährt diese über 200 Jahre alte Kunstsammlung noch größere Bedeutung.“

Konzentrierter Blick auf elementare Formen
„Es ist aufschlussreich zu sehen, wie Egon Schiele das Wiltener ,Leuthaus‘ ins Bild setzte. Statt – wie in zeitgenössischen Fotografien üblich – eine der beiden barocken Kirchen – die Wiltener Basilika oder die Stiftskirche – einzubeziehen, isolierte er den Bau und betonte so die Klarheit seiner kubischen Gestalt. Es ist der selektive Blick auf die elementare Form, der diese, wie alle seine Zeichnungen prägt“, so lautet die fachliche Einschätzung des Kunsthistorikers Lukas Madersbacher. Das Blatt dürfte laut Madersbacher am 9. Juni 1917 entstanden sein, weil Egon Schiele einen Tag später an seine Frau schrieb: „Gestern Samstag vormittags war ich am Berg Isel, mittags Bahnhof-Restaurant Innsbruck und nachmittags mit Grünwald Lansersee bei Igels (sic) – Abends auf der Hungerburg ... Jetzt geh ich Bauernhäuser zeichnen.“

Drei Werke und zahlreiche Schriftstücke von Egon Schiele
Mit diesem jüngsten Ankauf der Zeichnung des Wiltener „Leuthaus“ gibt es nun insgesamt vier Schiele-Werke in den Sammlungen der Tiroler Landesmuseen. In der Modernen Sammlung befindet sich Schieles frühe Ölstudie der Jodokuskirche in Krumau (heute Český Krumlov/Tschechien) von 1908. Dieses Werk befand sich bis 1977 im Besitz des österreichischen Künstlers Oswald Oberhuber (1931–2020) und wurde schließlich vom Verein angekauft. Über eine Schenkung von Gertrud Arnot (London) aus dem Nachlass des österreichisch-britischen Kunsthändlers und Malers Guido Arnot (1876–1946) gelangten 1953 zwei Aktzeichnungen aus dem Jahr 1911 in die Grafische Sammlung. In dieser bedeutenden Schenkung befanden sich auch einige Archivalien und Autografen von Egon Schiele, die heute in der Bibliothek des Ferdinandeums aufbewahrt werden. Es handelt sich hier um die Korrespondenz zwischen Egon Schiele und dem Kunsthändler Guido Arnot, die bereits vor 1914 einsetzte und Einblick in das Leben und Werk des Malers gibt. Die Galerie Arnot war eine von 1909 bis 1928 bestehende Kunstgalerie in Wien.

Schiele Zeichnung wird im Rahmen eines Vortrags ausgestellt
Die neu erworbene Zeichnung des Wiltener „Leuthaus“ von Egon Schiele wird erstmals im Rahmen eines Vortrags am 26. Februar um 18 Uhr im Tiroler Volkskunstmuseum vorgestellt und kann an diesem Abend besichtigt werden. Elisabeth Dutz, sie ist Chefkuratorin der Grafischen Sammlung der Albertina/Wien, wird einen Festvortrag zu Schiele als Zeichner halten. Anmeldung an: verein@tiroler-landesmuseum.at

 

 

Alle Inhalte dieser Meldung als .zip:

Sofort downloaden

Bilder (8)

Wiltener „Leuthaus“ von Egon Schiele, 1917
5 971 x 4 238 © TLM
Das Innsbrucker Leuthaus im Innsbrucker Stadtteil Wilten
5 258 x 2 694 © TLM/Fritz
Sammlungs- und Forschungszentrum (SFZ) Hall in Tirol
4 123 x 3 725 © TLM/Fritz
Begutachtung der Schiele Zeichnung im Sammlungs- und Forschungszentrum
2 070 x 2 721 © TLM, Fritz
Egon Schiele in Fulpmes
6 467 x 4 687
Egon_Schiele_Jodokuskirche_1908
5 062 x 5 259 © TLM
Egon Schiele: Männlicher Akt, 1911
4 857 x 7 220 © TLM
Egon Schiele, Weiblicher Akt, 1911
3 569 x 5 808 © TLM