25.03.2026 | 16 Bilder 1 Dokument

WELTENTFALTUNG. Zeichnungen des Tiroler Barock

Barocke Preziosen aus der Grafischen Sammlung der Tiroler Landesmuseen sind im Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck zu sehen.
tlm_pk_barockzeichungen_2026_060 © Martin Vandory

Kurator Ralf Bormann, Lukas Morscher, Leiter Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Projektverantwortliche Renate Ursprunger und Andreas Rudigier, Direktor der Tiroler Landesmuseen (v. li.).

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Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck // 27.3. – 26.10.2026

Die Grafische Sammlung der Tiroler Landesmuseen besitzt den weltweit größten Bestand an Tiroler Barockzeichnungen, die zum größten Teil aus Künstlernachlässen stammen. Im Rahmen von „Ferdinandeum unterwegs“ werden in einer Auswahl erstmals diese barocken Preziosen – etwa von Paul Troger oder Simon Benedikt Faistenberger – im Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck ausgestellt.

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Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck // 27.3. – 26.10.2026

Die Grafische Sammlung der Tiroler Landesmuseen besitzt den weltweit größten Bestand an Tiroler Barockzeichnungen, die zum größten Teil aus Künstlernachlässen stammen. Im Rahmen von „Ferdinandeum unterwegs“ werden in einer Auswahl erstmals diese barocken Preziosen – etwa von Paul Troger oder Simon Benedikt Faistenberger – im Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck ausgestellt.

Lukas Morscher, Leiter Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, freut sich über die gelungene Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen: „Für uns ist es eine große Freude, diese kostbare Auswahl an Barockzeichnungen in unseren Räumlichkeiten präsentieren zu dürfen. Neben der beeindruckenden künstlerischen Virtuosität, die diese Werke auszeichnet, ist es besonders faszinierend zu sehen, dass einige der dargestellten Skizzen tatsächlich umgesetzt wurden und bis heute erhalten sind. Beispiele dafür sind etwa die Jesuitenkirche, das Hochaltargemälde im heutigen Dom zu St. Jakob oder die Fresken im Sitzungssaal des Tiroler Landtags im Alten Landhaus in Innsbruck.“ Andreas Rudigier, Direktor der Tiroler Landesmuseen, zeigt sich ebenso erfreut über die Kooperation mit dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck: „Für mich ist ‚Ferdinandeum unterwegs‘ keine temporäre Aktion, sondern klar als langfristiges Projekt angelegt.“

Weltbild einer ganzen Epoche
In der Ausstellung „Weltentfaltung“ hat Kurator Ralf Bormann, Leiter der Grafischen Sammlung der Tiroler Landesmuseen, die kostbaren Barockzeichnungen auf tiefblauem Hintergrund in Szene gesetzt. Sie waren meist zweckgebundene Arbeitsskizzen zur Vorbereitung von komplexen Projekten, etwa Deckenfresken, Altar- oder Bühnenbildern. Heute werden sie als hochkarätige Meisterwerke gesehen. Herausragende Beispiele sind etwa der Präsentationsentwurf eines Bühnenbildes vermutlich zur Oper „Radamisto“ um 1716 von Alessandro Galli da Bibiena oder die Skizze von Cosmas Damian Asam „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ um 1734 für ein Fresko, das im Sitzungssaal des Tiroler Landtags im Alten Landhauses in Innsbruck realisiert wurde.

Kräftespiel von Verbergen und Enthüllen
Der Titel der Ausstellung „Weltentfaltung“ verweist auf die Falte, ein zentrales Stilelement des Barock. Die Schau im Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck widmet sich diesen faltensatten Kunstwerken und wagt auch den Blick auf die Bergwelt, in deren Falten sich das barocke Kräftespiel von Verbergen und Enthüllen fortsetzt. „In der unmittelbaren Geste der barocken Zeichnung offenbart sich das Weltbild einer ganzen Epoche: Die Welt ist nicht länger linear, sie ist vielfach gefaltet, und diese Vielfalt erzeugt zahlreiche Perspektiven auf die Welt, die sich im Wege der Weltentfaltung öffnen und noch mehren – Kunst für heute“, fasst Kurator Ralf Bormann seine Auffassung des Barock zusammen.

Barock und die Kunst der Inszenierung
Viele eindrucksvolle Bauwerke aus der Barockzeit prägen das kulturelle Erbe Tirols bis heute. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert entstanden zahlreiche Kirchen, Klöster und Profanbauten, üppige Stuckarbeiten, Bühnenbilder, farbenprächtige Fresken und kunstvoll gestaltete Altäre. An der Epoche des Barock findet Direktor Andreas Rudigier vor allem die Vielschichtigkeit faszinierend: „Barock ist Theater, Gesamtkunstwerk, Verehrung – aber auch Glanz und trügerischer Schein. Bewegung, Dramatik, Detailreichtum und intensive Emotionen vereinen sich in dieser Epoche auf unvergleichliche Weise.“ Andreas Rudigier, der seine Dissertation über den spätbarocken Paznauner Bildhauer Johann Ladner (1707–1779) verfasst hat, verweist zudem auf die enge Verbindung von Kunst und Inszenierung: „Altäre nehmen die Formen von Bühnen an, auf denen die Heiligen zu Schauspielern werden, und auch die Krippe entwickelt sich zu einem beliebten dreidimensionalen Motiv. Das macht diese Epoche so faszinierend, zuletzt auch deshalb, weil sie in ihrer idealisierenden Ästhetik Parallelen zur (Selbst)-Inszenierung heutiger Tage aufweist und damit absolut zeitgemäß ist.“
Im Rahmenprogramm zur Ausstellung sind zwei Stadtspaziergänge „Barockes Innsbruck“ mit Direktor Andreas Rudigier vorgesehen, bei denen er auf den Spuren des Barock im öffentlichen Raum unterwegs ist und auf ganz besondere Zeugnisse dieser Epoche aufmerksam macht.

Barock in Tirol – Historische Einordnung
Im Zuge der Gegenreformation, deren Ziel es war, den Protestantismus zurückzudrängen, gewann die katholische Kirche in Tirol zunehmend an Einfluss. Ordensgemeinschaften wie die Jesuiten und Kapuziner trugen maßgeblich dazu bei, den Glauben tief in der Bevölkerung zu verankern. Besonders im alpenländischen Raum führte dies zu einem Aufschwung des Kirchen- und Klosterbaus, der Künstlern eine Fülle an Aufträgen bescherte. Die Pestepidemien des späten 16. und 17. Jahrhunderts, die in der Bevölkerung schwere Erschütterungen hervorriefen, vertieften den religiösen Glauben. Die barocke Formensprache wurde dabei gezielt eingesetzt, um Glaubensinhalte eindrucksvoll zu inszenieren und emotional erfahrbar zu machen.

Prägend für den Tiroler Barock war zudem ein intensiver Kulturtransfer aus den deutschen Ländern, insbesondere Schwaben und Bayern, sowie Italien. Die kulturelle Blüte in Städten wie München, Augsburg, Rom und Venedig sowie an den oberitalienischen Fürstenhöfen – etwa in Mantua, Ferrara und Parma – wirkte dabei als wichtiges Vorbild. Nicht zuletzt förderten die dynastischen Verbindungen der Tiroler Habsburger mit einflussreichen Familien wie den Gonzaga in Mantua und den Medici in Florenz diesen künstlerischen Austausch. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts prägten drei Tiroler Künstlerfamilien das kulturelle Geschehen: die Familien Schor, Gumpp und Waldmann. Das 18. Jahrhundert dominieren Persönlichkeiten wie Paul Troger, Johann Evangelist Holzer, Josef Ignaz Mildorfer und Martin Knoller, und dies weit über Tirol hinaus.

Alle Informationen sowie das Rahmenprogramm zur Ausstellung finden Sie auf unserer Website unter https://www.tiroler-landesmuseen.at/ausstellung/weltentfaltung/

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Bilder (16)

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3 543 x 2 362 © Martin Vandory
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8 014 x 4 508 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner
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7 788 x 4 381 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner
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7 668 x 4 313 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner
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8 031 x 4 517 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner
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8 082 x 4 546 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner
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3 965 x 4 855 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner
Landtagssitzungssaal_Detail_c_Tiroler Landtag_Wett
1 000 x 1 500 © Tiroler Landtag/Watt
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7 245 x 4 830 © Tiroler Landtag/Berger
Jesuitenkirche_Gumpp_Arch198_c_TLM_Plattner
4 968 x 7 460 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner
Jesuitenkirche heute_c_TLM_Fritz
3 160 x 2 344 © TLM/Fritz
Bibiena_Arch2_c_TLM_Plattner
5 789 x 5 088 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner
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6 932 x 5 363 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner
Grasmair_TBar1041_c_TLM_Plattner
4 853 x 6 806 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner
Troger_TBar684_c_TLM_Plattner
4 709 x 6 659 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner
Zeiller_TBar1103_c_TLM_Plattner
5 383 x 6 084 © TLM, Fotografie: Johannes Plattner