22.07.2026 | 8 Bilder 2 Dokumente

RLB Kunstpreis: Denkmal für Schnee. Esther Strauß

Mit dem „Denkmal für Schnee“ auf einem namenlosen Gipfel im Gebiet des Glungezers hat die Tiroler Künstlerin Esther Strauß einen poetischen Beitrag zur Klimakrise geschaffen.
DenkmalfuerSchnee_1_c_Esther_Strauss_2026 © Esther Strauß, 2026

Die Kunstinstallation „Denkmal für Schnee“ von Esther Strauß.

Zu dieser Meldung gibt es:

Kurztext 861 ZeichenPressetext als .txt

Im Gebiet des Glungezers
Ab 22.7.2026

Die Tiroler Künstlerin Esther Strauß, Hauptpreisträgerin des RLB Kunstpreises 2024, hat auf einer unbenannten Bergspitze zwischen Glungezer und Gamslahnerspitze einen Schriftzug aus drei Worten realisiert: „Denkmal für Schnee“. Eine Wanderkarte, die den Aufstieg zum Glungezergipfel und weiter über einen schwarzen Bergweg zum „Denkmal für Schnee“ beschreibt, gehört ebenso zum Kunstwerk wie eine Audioführung in sechs Stationen, die Forschungsergebnisse zum Klimawandel vermittelt und vom Schnee und seiner Vergänglichkeit erzählt. Mit diesem poetischen Beitrag fragt die Künstlerin danach, wie wir der Klimakrise begegnen wollen und was das langsame Verschwinden des Schnees in uns auslöst. Auf fast 2.700 Metern Höhe erinnert nun das „Denkmal für Schnee“ an einen Verlust, noch bevor dieser vollends eingetreten ist.

Pressetext Pressetext als .txt

Im Gebiet des Glungezers
Ab 22.7.2026

Die Tiroler Künstlerin Esther Strauß, Hauptpreisträgerin des RLB Kunstpreises 2024, hat auf einer unbenannten Bergspitze zwischen Glungezer und Gamslahnerspitze einen Schriftzug aus drei Worten realisiert: „Denkmal für Schnee“. Eine Wanderkarte, die den Aufstieg zum Glungezergipfel und weiter über einen schwarzen Bergweg zum „Denkmal für Schnee“ beschreibt, gehört ebenso zum Kunstwerk wie eine Audioführung in sechs Stationen, die Forschungsergebnisse zum Klimawandel vermittelt und vom Schnee und seiner Vergänglichkeit erzählt. Mit diesem poetischen Beitrag fragt die Künstlerin danach, wie wir der Klimakrise begegnen wollen und was das langsame Verschwinden des Schnees in uns auslöst. Auf fast 2.700 Metern Höhe erinnert nun das „Denkmal für Schnee“ an einen Verlust, noch bevor dieser vollends eingetreten ist.

Das „Denkmal für Schnee“ ist eine Kunstinstallation der Tiroler Künstlerin Esther Strauß in den Tuxer Alpen, die sie als Hauptpreisträgerin des RLB Kunstpreises 2024 in Kooperation mit der RLB Tirol AG und den Tiroler Landesmuseen realisiert hat. Aufgrund des derzeitigen Umbaus des Ferdinandeums musste die Frage der Ausstellungsräumlichkeit neu gestellt werden – glücklicherweise schwebte Esther Strauß von Anfang an eine Kunstinstallation im öffentlichen Raum vor: „Dass das äußerst spannende Projekt von Esther Strauß aufgrund der Umbauarbeiten am Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum im alpinen Raum entstehen konnte, erweitert den RLB Kunstpreis um eine starke räumliche wie inhaltliche Dimension“, betont Silvia Höller, Leiterin der Kunstbrücke.

Kunstinstallation „Denkmal für Schnee“
Das von Esther Strauß entworfene „Denkmal für Schnee“ besteht aus einem 80 Zentimeter breiten Schriftzug aus Messing und wurde von Schlossermeister Michael Gassebner hergestellt. Montiert ist die Kunstinstallation auf einer namenlosen Bergspitze nahe des Glungezers, ihr Titel „Denkmal für Schnee“ bezieht sich auf das gleichnamige Gedicht von Helwig Brunner (abgedruckt am Ende des Pressetextes). Esther Strauß‘ künstlerische Arbeit erinnert an etwas, das vielerorts bereits selten geworden ist: Schnee. Das „Denkmal für Schnee“ fragt, wie wir mit den Verlusten umgehen können, die die Klimakrise mit sich bringt: „Die drei Worte ,Denkmal für Schnee‘ verwandeln den Berg in einen Sockel. An seinem höchsten Punkt mag irgendwann – an einem Tag, der sich erahnen, aber nicht vorhersagen lässt – der letzte Schnee schmelzen, der auf diese Spitze fällt. Was bedeutet uns sein Verschwinden?“, stellt die Künstlerin Esther Strauß die zentrale Frage.

Zum Gesamtkunstwerk „Denkmal für Schnee“ gehört auch eine sechsteilige Audioführung. Die Audiostationen befinden sich entlang des Weges zwischen der Bergstation Tulfein (2.056 m) und dem Glungezergipfel (2.677 m). Die Hörstationen sind mit einem QR-Code ausgestattet, über den die Audiotexte abrufbar sind: „Ausgehend von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, laden die Audiotexte dazu ein, nachzuspüren, was die Klimakrise mit unserer Seele macht. Die Wanderung zum ,Denkmal für Schnee‘ gibt die Gelegenheit, miteinander am Weg und im Gespräch zu sein“, erklärt die Künstlerin und ergänzt: „Vor allem handeln die Audiotexte von „ecological grief“, der ökologischen Trauer bzw. Umwelttrauer. Im Fokus steht dabei die Performativität von Trauer, die in Bezug auf die Klimakrise auch eine Chance bereithält.“ Esther Strauß schrieb die Audiotexte ausgehend von Gesprächen mit den Expert*innen Georg Kaser (Klimaforscher), Maria Streli-Wolf (Trauerbegleiterin), Harald Schellander (Meteorologe GeoSphere Austria) und Evelyn Kustatscher (Paläobotanikerin und Leiterin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen). 
Begleitend wurde auch eine Wanderkarte aufgelegt, in der das „Denkmal für Schnee“ eingezeichnet ist, erstellt in Kooperation mit dem Institut für Geographie der Universität Innsbruck unter der Leitung von Martin Ladner. Darauf sind nicht nur die sechs Audiostationen eingetragen, sondern sie enthält auch eine genaue Wegbeschreibung hin zum Denkmal samt wichtiger Sicherheitshinweise. Der Standort des Schriftzugs ist nämlich von der Glungezer Hütte aus in ca. 45 Minuten über einen schwierigen schwarzen Bergweg erreichbar. Dieser Bergweg erfordert Trittsicherheit, Erfahrung im alpinen Gelände und gute Kondition.   

Fakten zum Klimawandel
Von Wissenschaftler*innen wird die Klimakrise in den Alpen seit Jahrzehnten anhand der Gletscherschmelze dokumentiert. Zwischen 1969 und 2015 gingen in Österreich 40 Prozent aller Gletscher verloren – in wenigen Jahrzehnten werden sie vollständig verschwunden sein. Aber auch der Schnee wird weniger. Als die Glungezer Hütte 1932/33 als Starthütte für die erste FIS-Ski-Weltmeisterschaft errichtet wurde, führte ihre später legendär gewordene Abfahrt über 16 Kilometer hinunter bis zur Karlskirche ins Inntal. Heute ist diese Strecke nur sehr selten in voller Länge mit Schnee bedeckt. „Wir wissen, dass die Klimakrise durch Menschen verursacht ist. Trotzdem fällt es vielen von uns – auch mir – schwer, nach diesem Wissen zu handeln. Wieso? Vielleicht kann uns die Trauer um das, was wir verloren haben und was wir noch verlieren werden, dabei helfen, vom Wissen ins Begreifen und schließlich ins Handeln zu kommen. Vielleicht kommt ein Denkmal, das einen Verlust betrauert, der noch nicht vollends eingetreten ist, gerade noch zur rechten Zeit. Und vielleicht kann uns ein Denkmal, das aus der Zukunft zu uns kommt, helfen, die Zukunft neu zu schreiben“, sagt Esther Strauß. Denn meist erinnern Denkmäler an Menschen, Ereignisse oder Dinge, die bereits vergangen sind.

Realisierung am Berggipfel
Nicht nur der Standort des Denkmals selbst, sondern auch jene der Audiostationen sind von Esther Strauß akribisch ausgewählt worden – denn auch die Erfahrung der Bergwelt, die atemberaubende Aussicht und die kargen, häufig unwirtlichen Wetterverhältnisse sind Teil des Gesamtkunstwerks „Denkmal für Schnee“. Über die Realisierung eines Kunstwerkes auf einem Berggipfel spricht Kuratorin Rosanna Dematté: „Kann ein Kunstwerk auf einem Berggipfel das Projekt eines Museums sein? Ja, wenn man das Museum als Ort der Begegnung und als Treffpunkt für einen gemeinsamen Weg versteht. In diesem Fall ist es ein anstrengender, aber auch heilsamer Weg bis hinauf auf den Berg. Und auch, weil Esther Strauß mit dem ,Denkmal für Schnee‘ eine zentrale Aufgabe eines Museums sichtbar macht: über Zeit, Geschichte und Verantwortung nachzudenken.“

Über den RLB Kunstpreis
Silvia Höller, Leiterin der Kunstbrücke, erläutert: „Seit 2004 vergibt die Raiffeisen‑Landesbank Tirol alle zwei Jahre den RLB Kunstpreis, begleitet von einer jeweils neu zusammengesetzten Fachjury. Ziel ist es, Kunstschaffende aus Tirol gezielt zu fördern. Vergeben werden zwei Förderpreise sowie ein Hauptpreis. Dieser umfasst neben dem Preisgeld eine Einzelausstellung in Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen, die in der Regel ein Jahr nach der Preisverleihung stattfindet.“ 2024 gewann Esther Strauß den Hauptpreis.

Über die Künstlerin Esther Strauß
Esther Strauß (*1986 in Tarrenz) ist Performance- und Sprachkünstlerin. In ihren Werken setzt sie gezielt Lücken und Geheimnisse ein. Das, was ihre Arbeiten verbergen, ist ebenso wichtig wie das, was sie preisgeben. Sie kann auf eine internationale Ausstellungstätigkeit verweisen, unter anderem im Freud Museum London, Perdu Amsterdam und TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol. Ihre Werke finden sich mitunter in Texten von Elfriede Jelinek und Katy Hessel wieder. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den RLB Kunstpreis 2024, den Paul-Flora-Preis 2022 und das BMKOES Staatsstipendium 2021. Seit 2015 lehrt Strauß an der Kunstuniversität Linz, wie Künstler*innen über ihre eigene Arbeit sprechen, schreiben und schweigen können.

Publikation
Anlässlich des Kunstwerks „Denkmal für Schnee“ erscheint im Oktober 2026 die Publikation „accepting rides with strangers“. Als erste umfassende Monografie zu Esther Strauß gibt sie einen vertiefenden Einblick in das vielschichtige Schaffen der Künstlerin. Herausgegeben von Rosanna Dematté, Andreas Rudigier und Esther Strauß, wird sie bei den Premierentagen 2026 (5. – 7. November 2026) präsentiert. 

Termin
Treffpunkt Klimakultur: Gespräch zum „Denkmal für Schnee“
Di, 8.9.2026, 18 Uhr, Alpengasthof Halsmarter am Glungezer, Tulfes
Die Besucher*innen sind eingeladen, von Ihrer Beziehung zum Schnee zu erzählen und das Potenzial der Zusammenarbeit von Kunst, Kultur und Klimaschutz gemeinsam mit Klimakultur Tirol, Esther Strauß und weiteren Gästen zu diskutieren.

Wir bitten um Anmeldung unter anmeldung@tiroler-landesmuseen.at oder T +43 512 59489-111.
Zur Information: Am 8. September 2026 fährt die Glungezerbahn durchgehend bis 22 Uhr bis zur Mittelstation.


Denkmal für Schnee

Wie du vor mir gehst in deiner weißen Jacke
zwischen Birken übers herbstlich bunte Moor,

denke ich, dass du mein Denkmal bist
für kommenden Schnee. Wenn es dann schneit,
wird alles noch einmal dir gleichen wollen,

wie du vor mir gingst in deiner weißen Jacke
zwischen Birken übers herbstlich bunte Moor.

Helwig Brunner (geb. 1967)
Aus: Helwig Brunner, Denkmal für Schnee. Berger Verlag, 2015 (Neue Lyrik aus Österreich Band 10)


Alle Informationen zur Kunstausstellung sowie FAQs finden Sie auf unserer Website unter tiroler-landesmuseen.at/ausstellung/denkmal-fuer-schnee

Die in dieser Presseaussendung enthaltenen Bilder sind weder KI-generiert noch KI-verändert. 

Alle Inhalte dieser Meldung als .zip:

Sofort downloaden

Bilder (8)

DenkmalfuerSchnee_1_c_Esther_Strauss_2026
3 396 x 2 269 © Esther Strauß, 2026
DenkmalfuerSchnee_2_c_TLM_Fritz
4 032 x 3 024 © TLM/Fritz
DenkmalfuerSchnee_3_c_Vurore
8 064 x 4 536 © Vurore
DenkmalfuerSchnee_4_c_Vurore
8 064 x 4 536 © Vurore
DenkmalfuerSchnee_Audiostation_c_TLM_Fritz
5 712 x 4 284 © TLM/Fritz
DenkmalfuerSchnee_Gruppenfoto_c_TLM_Fritz
5 130 x 3 398 © TLM/Fritz
Esther_Strauss_c_MartinVandory
3 543 x 5 315 © Martin Vandory
Esther_Strauss_Rosanna_Dematte_c_MartinVandory
4 724 x 3 543 © Martin Vandory