10.08.2026 | 11 Bilder 1 Dokument

Grabungsbericht Aguntum 2026 & neue Standortleitung

Grabungsleiter Martin Auer berichtet über die Schwerpunkte der archäologischen Arbeiten in Aguntum 2026. Direktor Andreas Rudigier stellt Elisa De Gaetani, die neue Standortleiterin für Aguntum, vor.
Gruppenfoto_Rudigier_DeGaetani_Auer_c_EXPA_HansGroder © EXPA/Hans Groder

Andreas Rudigier, Direktor der Tiroler Landesmuseen, Elisa De Gaetani, neue Standortleiterin von Museum Aguntum & Archäologischer Park, und Grabungsleiter Martin Auer, Institut für Archäologien Universität Innsbruck (v. li.).

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Die diesjährige Grabungskampagne in Aguntum in Osttirol läuft von 29. Juni bis 14. August 2026 unter der Leitung von Martin Auer vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck, in Zusammenarbeit mit den Tiroler Landesmuseen, dem Archäologischen Forschungsnetzwerk Innsbruck (AFIN) und dem Anthroposcene Research Center (LA, USA). Die Grabungsarbeiten umfassen mehrere Schwerpunktsetzungen: die Überprüfung geophysikalischer Messergebnisse, die Klärung von Detailfragen zu einem der größten derzeit bekannten beheizbaren Versammlungsräume der römischen Provinzen, sowie Arbeiten im Umfeld der seit den 1970er-Jahren bekannten Thermenanlage, deren nähere Umgebung erstmals wissenschaftlich dokumentiert wurde.
Weiters stellt Andreas Rudigier, Direktor der Tiroler Landesmuseen, die neue Standortleiterin vor: Die Archäologin und Kulturmanagerin Elisa De Gaetani leitet ab 17. August 2026 die Geschicke im Museum Aguntum & Archäologischer Park.

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Die diesjährige Grabungskampagne in Aguntum in Osttirol läuft von 29. Juni bis 14. August 2026 unter der Leitung von Martin Auer vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck, in Zusammenarbeit mit den Tiroler Landesmuseen, dem Archäologischen Forschungsnetzwerk Innsbruck (AFIN) und dem Anthroposcene Research Center (LA, USA). Die Grabungsarbeiten umfassen mehrere Schwerpunktsetzungen: die Überprüfung geophysikalischer Messergebnisse, die Klärung von Detailfragen zu einem der größten derzeit bekannten beheizbaren Versammlungsräume der römischen Provinzen, sowie Arbeiten im Umfeld der seit den 1970er-Jahren bekannten Thermenanlage, deren nähere Umgebung erstmals wissenschaftlich dokumentiert wurde.
Weiters stellt Andreas Rudigier, Direktor der Tiroler Landesmuseen, die neue Standortleiterin vor: Die Archäologin und Kulturmanagerin Elisa De Gaetani leitet ab 17. August 2026 die Geschicke im Museum Aguntum & Archäologischer Park.

Aguntum ist die einzige Römerstadt Tirols und nimmt unter den römischen Siedlungen Österreichs eine besondere Stellung ein. Seit 2021 leitet der Archäologe Martin Auer vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck die Ausgrabungen in Aguntum. „Zur Römerzeit war Aguntum eine kleine Stadt mit schätzungsweise 5.000 bis 10.000 Einwohnern. Ihre genaue Größe ist bis heute nicht bekannt, da bisher nur ein kleiner Teil freigelegt wurde“, erklärt Auer und weist damit auf das Alleinstellungsmerkmal der archäologischen Ausgrabungsstätte hin: Aguntum ist ein Ort, an dem Jahr für Jahr aktiv geforscht und gegraben wird und „damit erhalten wir jedes Jahr wieder weitere Erkenntnisse über das römische Leben in Osttirol“, ergänzt der Archäologe. Martin Auers erklärtes Ziel ist es, in den kommenden Jahren, die genauere Ausdehnung der Stadt besser benennen zu können, wofür er und sein Team u.a. auch auf geophysikalische Methoden zurückgreifen.

Bebauungsgeschichte im Fokus
Das diesjährige Grabungsteam bestand aus insgesamt 26 Archäolog*innen und Studierenden der Universität Innsbruck, anderer österreichischer Universitäten sowie aus Deutschland, Polen, den USA und Kanada. Im Mittelpunkt der feldarchäologischen Untersuchung stand auch diesen Sommer die Baugeschichte von Aguntum – vor allem das Areal des Forums, des Verwaltungszentrums der antiken Stadt. Unmittelbar an das heute zum größten Teil vom Debantbach überlagerte Forum anschließend, konnte bereits im Vorjahr ein Versammlungsraum festgestellt werden. Dieser Raum ist mit einer 360 m2 umfassenden Fußbodenheizung ausgestattet und zählt somit zu den größten bekannten beheizbaren Versammlungsräumen der römischen Welt. Um die Funktionsweise der Heizanlage besser zu verstehen, lag heuer ein Fokus auf der Lokalisierung der Heizräume dieses Gebäudes.

Im Zuge geophysikalischer Messungen im Herbst 2025 konnten im Areal des Stadtzentrums auch Mauerzüge eruiert werden, die in der diesjährigen Kampagne ebenfalls näher untersucht wurden. Zwar haben sich anstatt der erwarteten Mauern langgezogene Gräben abgezeichnet, aber für die weitere Interpretation der Geophysik-Daten sind diese Ergebnisse besonders wertvoll.

Der dritte Grabungsfokus lag im Bereich der Thermenanlage von Aguntum. Diese wurde bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren freigelegt, allerdings fokussierte man sich dabei auf die Thermenanlage selbst und ließ deren Umgebung weitgehend unerforscht zurück. Da gerade die Grabungen der späten 1970er-Jahre nur oberflächlich dokumentiert wurden, war es nötig, die Umgebung der Thermen nochmals in den Fokus zu rücken. Hier stehen die Arbeiten erst am Beginn, allerdings konnten bereits neue Mauerzüge und Gebäudeteile festgestellt werden, die in den kommenden Jahren näher untersucht werden.

Frühmittelalterliche Ruinenbestattungen in Aguntum 
Neben den bauarchäologischen Ergebnissen konnte im Versturzmaterial der römischen Mauern auch eine Bestattung festgestellt werden. Diese zählt wohl zu sogenannten Ruinenbestattungen des frühen Mittelalters, mindestens zwei weitere Beispiele dafür konnten in Aguntum bereits festgestellt werden. Die nähere Untersuchung des geborgenen Skeletts steht noch aus, es ist jedoch anzunehmen, dass die Grablege in das 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. zu datieren ist. In dieser Zeit wurden die noch sichtbaren Ruinen der römischen Stadt als Begräbnisplatz genutzt.

Architektonische Besonderheiten & die Bedeutung des Handels
Großes Augenmerk wird auf die Architektur von Aguntum gelegt, wie Auer berichtet: „Die Architektur der römischen Stadt ist bemerkenswert. Trotz ihrer Lage im alpinen Raum ist Aguntum stark mediterran geprägt – das belegt das Atriumhaus mit offenem Innenhof, wie man es aus Pompeji kennt, sowie ein Rundmacellum, ein Marktgebäude, das sonst vor allem in Mittelitalien vorkommt.“ Überhaupt gab es einen regen Handel mit dem Mittelmeerraum. Amphoren und Tischgeschirr aus Italien, Kleinasien und Nordafrika belegen die gute Anbindung Aguntums an Adriahäfen wie Aquileia und Triest. Im Gegenzug wurden aus Aguntum unter anderem Bergkristalle in den Süden exportiert. Dieses Luxusmaterial wurde in der antiken Stadt einer Qualitätskontrolle unterzogen und grob vorbearbeitet. Vor allem die reinen, durchscheinenden Kristalle, in römischen Schriftquellen auch als „Eis der Götter“ bekannt, wurden in den Süden exportiert. Die Herstellung von Trinkgefäßen und Statuetten aus Bergkristall dürften schließlich spezialisierte Handwerker in Italien übernommen haben.

Die Funde und Erkenntnisse aus Aguntum sorgen auch bei Andreas Rudigier, Direktor der Tiroler Landesmuseen, für Begeisterung: „Dass wir in Aguntum eine der größten bekannten Fußbodenheizungen der römischen Welt vorzuweisen haben, ist eine wahre Sensation. Auch die weiteren Funde und Bauten, von der Thermenanlage bis zum Luxusgut Bergkristall, unterstreichen einmal mehr den wichtigen Stellenwert der Handelsstadt Aguntum zur Zeit ihrer Hochblüte.“

Alte und neue Fragen
„Mit jeder Grabungskampagne können einige im Vorfeld der Grabung gestellte Fragen geklärt werden, gleichzeitig ergeben sich aber auch immer neue Fragestellungen aus den Grabungsergebnissen. Ein besonders wichtiger Puzzlestein zur Beantwortung dieser Fragen liegt in der Aufarbeitung des geborgenen Fundmaterials und der genauen Evaluierung der Grabungsbefunde“, weist Martin Auer auf die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Funde und Ergebnisse hin. Diese langwierige Arbeit bedarf genauer Planung und zusätzlicher finanzieller Mittel, die den Aufwand für die Ausgrabung selbst bei weitem übersteigen. An der Universität Innsbruck laufen mehrere Abschlussarbeiten, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der römischen Stadt Aguntum beschäftigen. Daneben wird die Auswertung der Grabungsergebnisse laufend mit Drittmittelprojekten unterstützt.

„Neben diesen direkt mit den Grabungsergebnissen verbundenen Arbeiten liegt ein wesentliches Forschungsinteresse in der Ausdehnung der Stadt und der Lokalisierung der Gräberfelder Aguntums. Trotz unserer derzeit nur fragmentarischen Kenntnisse der römischen Bebauung außerhalb des archäologischen Parks ist davon auszugehen, dass wir im Park selbst maximal zehn Prozent der antiken Stadt sehen können. Weitere geophysikalische Messungen auf den umliegenden Feldern können hier wertvolle Informationen liefern, ohne dass die Ausgrabungen auf diese Areale ausgedehnt werden müssen“, nennt der Grabungsleiter zukünftige Zielsetzungen der Forschung in Aguntum.

 

Elisa De Gaetani ist neue Standortleiterin in Aguntum

Die Archäologin und Kulturmanagerin leitet ab 17. August 2026 die Geschicke im Museum Aguntum & Archäologischer Park.

Ihre Abschlüsse in Klassischer und Provinzialrömischer Archäologie sowie in Europäischer Kunstgeschichte hat Elisa De Gaetani an der Karl-Franzens-Universität in Graz gemacht, eine Weiterbildung im Bereich des Kulturmanagements folgte. „Ich freue mich sehr über die Chance, an der Weiterentwicklung dieser einzigartigen Stätte mitwirken zu dürfen. Die Funde und Ausgrabungen in Aguntum liefern der Wissenschaft bedeutende archäologische und provinzialrömische Erkenntnisse – wichtige Weichen zu stellen, um diese Erkenntnisse erzielen, bewahren und zur Schau stellen zu können, sehe ich als einen bedeutenden Teil meiner Arbeit. Ein weiterer Fokus liegt darauf, Besucher*innen das Museum Aguntum & Archäologischer Park weiterhin als diesen besonderen historischen Ort präsentieren zu können, der er bereits ist. Ich freue mich schon darauf, gemeinsam mit allen Mitarbeiter*innen die Zukunft von Aguntum gestalten zu dürfen“, nennt die neue Standortleiterin Elisa De Gaetani ihre Zielsetzungen.  
Direktor Andreas Rudigier zeigt sich zuversichtlich, dass dies gelingen wird: „Mit Elisa De Gaetani haben wir eine Expertin in Archäologie und Kulturmanagement gewinnen können. Damit vereint sie zwei essenzielle Bereiche, mit denen die Weiterentwicklung von Aguntum – sowohl des Museums als auch der Ausgrabungsstätte – erfolgreich sein wird.“


Alle weiteren Infos zum Museum Aguntum & Archäologischer Park finden Sie hier
Ein aktuelles Interview mit Grabungsleiter Martin Auer können Sie in unserem Blog nachlesen. 

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