29.04.2026 | 5 Bilder

Ein Schmetterling für Papst Leo XIV

Eine neue Schmetterlingsart wird von Forschungsteam nach Papst Leo XIV benannt. Die Entdeckung aus Kreta ist mit Verweis auf die Bibel ein eindringlicher Naturschutz-Apell.
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Ein internationales Forschungsteam der Tiroler Landesmuseen, der Zoologischen Staatssammlung München und des Finnischen Naturhistorischen Museum hat eine bislang unbekannte Schmetterlingsart aus dem Mittelmeerraum wissenschaftlich beschrieben und nach Papst Leo XIV benannt. Die neue Art wurde im Fachjournal Nota lepidopterologica unter dem Namen Pyralis papaleonei veröffentlicht – in Anlehnung an „Papa Leone“ (Papst Leo).

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Auffällige purpurfarbenen Vorderflügel

Der sogenannte Papst-Leo-Schmetterling erreicht eine Flügelspannweite von rund zwei Zentimetern und zählt damit zu den mittelgroßen Vertretern seiner Gruppe. Besonders auffällig sind die purpurfarbenen Vorderflügel mit einem orange-goldenen Fleck sowie markante weiße Binden. Die Art ist ausschließlich aus den westlichen Gebirgsregionen der griechischen Insel Kreta bekannt. Die Falter wurden an künstlichen Lichtquellen nachgewiesen und scheinen vor allem im Juni aktiv zu sein. Über die Biologie und Lebensweise der neuen Art ist bislang noch nichts bekannt. Die Abgrenzung von verwandten Arten erfolgte sowohl anhand klassischer morphologischer Merkmale – etwa Flügelzeichnung, Färbung und Genitalmorphologie – als auch mittels genetischem Fingerprinting. Molekulargenetische Analysen zeigen eine Differenz von rund sechs Prozent zur nächstverwandten Art – ein klarer Hinweis auf eine eigenständige Art.

Tradition außergewöhnlicher Artnamen

Die Benennung von Schmetterlingen erfolgt häufig nach äußeren Merkmalen, geografischen Bezügen oder zu Ehren verdienter Persönlichkeiten. Innerhalb der Gattung Pyralis ist jedoch eine besondere Tradition erkennbar: Bereits 1775 beschrieben die österreichischen Naturforscher Michael Denis und Ignaz Schiffermüller die erste Art der Gruppe als Pyralis regalis („königlich“) – inspiriert von ihrer prächtigen Färbung. Später folgten klangvolle Namen wie Pyralis princeps oder Pyralis kardinalis, die ebenfalls auf die außergewöhnliche Schönheit dieser Falter anspielen. Alle genannten Arten gehören zur artenreichen Überfamilie der Zünslerfalter (Pyraloidea), die weltweit rund 16.000 beschriebene Arten umfasst und damit eine der größten Gruppen unter den Kleinschmetterlingen darstellt.

Taxonomie als „erster Beruf“ des Menschen

Die Benennung von Lebewesen hat auch eine kulturhistorische Dimension: Im Alten Testament (Genesis 2) erhält Adam den Auftrag, allen Tieren Namen zu geben. Damit gilt die Taxonomie – die Wissenschaft von der Klassifikation, Benennung und Einordnung von Organismen – im biblischen Sinne als älteste Aufgabe der Menschheit. Für Studienleiter Peter Huemer von den Tiroler Landesmuseen ist die Namensgebung daher mehr als eine formale wissenschaftliche Handlung: Sie versteht sich auch als symbolischer Appell an das Oberhaupt der katholischen Kirche, also an Papst Leo XIV, auf die zentrale Verantwortung des Menschen für die Bewahrung der Schöpfung aufmerksam zu machen. Gerade auch deshalb, weil Schmetterlinge im Christentum als zentrales Sinnbild für Auferstehung, Verwandlung (Metamorphose) und die unsterbliche Seele gelten.

Erst ein Bruchteil der weltweiten Artenvielfalt wissenschaftlich erfasst

Peter Huemer, ehemaliger Leiter der Naturwissenschaftlichen Sammlung der Tiroler Landesmuseen und heute Ehrenamtlicher Mitarbeiter, sagt dazu weiters: „Wir befinden uns in einer globalen Biodiversitätskrise, dabei ist erst ein Bruchteil der weltweiten Artenvielfalt wissenschaftlich erfasst. Ein wirksamer Schutz biologischer Vielfalt setzt allerdings voraus, dass Arten überhaupt erkannt, beschrieben und benannt werden.“  Allein in der Ordnung der Schmetterlinge werden jährlich rund 700 neue Arten entdeckt – überwiegend in den Tropen, doch auch in Europa ist die Grundlagenforschung keineswegs abgeschlossen: In den Alpen konnten etwa in den vergangenen Jahrzehnten rund 200 bislang unbekannte Arten nachgewiesen werden.

Bewusstsein für den Schutz von Artenvielfalt im Mittelpunkt

Evelyn Kustatscher, Leiterin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen, deren älteste Sammlungsstücke bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, weist ebenso auf die Herausforderungen der wissenschaftlichen Forschung auf diesem Gebiet hin: „Die Erforschung der Artenvielfalt ist äußerst zeit- und personalintensiv, da sie umfangreiche Feldarbeit, spezialisierte wissenschaftliche Expertise sowie sorgfältige Nachbearbeitung umfassender Datenmaterialien erfordert.“ Die Naturwissenschaftliche Sammlung der Tiroler Landesmuseen verfolgt vielfältige Forschungsinteressen. „Denn Naturbeobachtung kann für Menschen jeden Alters eine prägende Erfahrung sein und dazu beitragen, das Verständnis für die Artenvielfalt und letztlich auch für den Umweltschutz zu stärken,“ so Evelyn Kustatscher.

Mit ihren international bedeutenden wissenschaftlichen Sammlungen leisten die Tiroler Landesmuseen hierzu einen wesentlichen Beitrag. Die Entdeckung des Papst-Schmetterlings Pyralis papaleonei unterstreicht eindrucksvoll, wie viel selbst in gut erforschten Regionen Europas noch zu entdecken ist – und wie dringlich der Schutz sensibler Lebensräume bleibt.

 

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